Ballhaus Naunynstraße
akademie der autodidakten Theater

Romeo rennt

von Hamze Bytyci und Rafael Badie Massud

Heute bin ich in Berlin. Eine Stadt voller Abgründe und doch eine Stadt der Hoffnung. / Wenn ich den Stadtmenschen in die Augen sehe, dann entdecke ich eine Unmenge an Sehnsüchten, die sie selbst nicht verstehen. / Die Menschen müssen lernen die Welt mit geschlossenen Augen zu durchlaufen. / Sie müssen Spinnen streicheln. / Sie müssen sich 8 Mal im Kreis drehen und über 8 Brücken laufen. Auch sie werden landen. / Es scheint mir als tobe auch hier der Krieg, mit dem einzigen Unterschied, dass niemand ihn bemerkt.

Nach einer Odyssee vom Balkan bis nach Berlin landet Romeo schließlich im Zirkus: Hier nimmt eine unmögliche Hochzeit ihren Lauf, Rituale laufen aus dem Ruder und das Prisma der Perspektiven dreht sich weiter. 14 Jugendliche haben im Rahmen der akademie der autodidakten gemeinsam aus traditionellen Klängen und Beats der Straße eine Collage entwickelt, die sich gegen allzu einfache Lösungen wendet.

Roma ist ein Sammelbegriff für Volksgruppen, die im Volksmund häufig noch heute als Zigeuner bezeichnet werden. Diesen Begriff lehnen Angehörige der Minderheit als diskriminierend ab. Als Sinti bezeichnen sich Angehörige einer Gruppe, auch den Roma zugehörig, die eine eigene Kultur und Sprache besitzt und deren Vorfahren vermutlich vor rund 800 Jahren in westeuropäisches Gebiet einwanderten. Gruppen, die seit dem 19. Jahrhundert aus ost- und südosteuropäischen Ländern nach Deutschland gekommen sind, nennen sich Roma. Ihren Ursprung hat die Volksgruppe in Indien, von wo sie als Handwerker und Sklaven in viele Teile der Welt mitgenommen wurden. Vor Ort nahmen sie meist Religion und Sprache an, bewahrten aber eigene Bräuche. Unter anderem nach Ägypten (Egypt), woher der englische Ausdruck Gypsies stammt.

Hamze Bytyci ist Schauspieler, Regisseur, Filmemacher, Theaterpädagoge, Radiomacher, DJ und interkultureller Familienberater und das alles subsummiert unter seinem neuen Label „RomaTrial“. Der „Ex-Jugo“, ehemals „Staatenlose“, serbisch-kosovarisch-stämmiger Deutscher und Rom war Gründungsvorsitzende bei Amaro Drom e.V. Nachdem er seine langjährige Vorstandstätigkeit bei der transkulturellen Jugendorganisation kürzlich aufgegeben hat, widmet er sich derzeit neuen Kunst und Kulturprojektern.

Als dritte Generation einer Theater- und Filmfamilie, lernte Rafael Badie Massud als Kind und während seines Studiums von Künstlern des Theatre du Soleil, von Istvan Szabo, Peter Stein, Peter Brook u.v.m. Er arbeitete u.a. am Hans Otto Theater, dem Berliner Ensemble, dem Theater Ansbach, dem Heimathafen Neukölln, der Theater Kapelle, dem Theater Überzwerg, oder dem Theater Kopfüber. Seine Inszenierung Schwestern wurde zu den Bayerischen Theatertagen eingeladen. Weitere wichtige Inszenierungen sind Glaube Liebe Hoffnung und Ms. Ibrahim… Rafael Badie Massud gewann den ersten Preis eines Kurzfilmfestivals und wirkte an den Drehbüchern zu mehreren Kinofilmen mit. Sein Stück Heul doch lief über mehrere Jahre am Theater Ansbach. 2009 schloß er sein Studium an der HFF Potsdam mit Diplom ab.